Internationalisierung hin oder her, jeder Arbeitsmarkt folgt nach wie vor ganz eigenen Regeln. Kanadische oder US-Unternehmen wollen beispielsweise keine Bewerbungsfotos, Skandinavier möchten etwas über Hobbies und Aktivitäten außerhalb des Jobs erfahren und Engländer fragen oft nach Kontaktdaten vorheriger Arbeitgeber und Professoren. Sicher wird bei ausländischen Bewerbern eher ein Auge zugedrückt, wenn einer dieser Punkte nicht beachtet wurde, trotzdem lohnt es sich allemal, die lokalen Gepflogenheiten vorab zu recherchieren. Wir haben die wichtigsten Punkte zusammen getragen, die man bei einer Auslandsbewerbung beachten sollte:

#1: Der Lebenslauf

Den deutschen Lebenslauf eins zu eins übersetzen? Das funktioniert leider nicht ganz! Beachte die folgenden drei Schritte, wenn du dich an die Ausarbeitung deines Lebenslaufes setzt:

  • Such spezifisch nach Beispiellebensläufen und Guides für deinen Zielort um eine genauere Vorstellung über Länge, Layout und die inhaltliche Gestaltung zu erhalten. Für beliebte Zielländer wie Großbritannien, Frankreich, Belgien, die Niederlande und die skandinavischen Länder haben wir bereits Leitfäden erstellt und alle essenziellen Informationen für dich zusammen getragen. Darüber hinaus ist es Gold wert, wenn du bereits Kontakte zu dem Ort deiner Wahl besitzt, um diese bei der Gestaltung deines Lebenslaufes nach Rat zu fragen . Falls du persönlich niemanden kennst, frag doch einfach mal auf Facebook und in deinem Bekanntenkreis nach!
  • Benutze den Begriff ‘CV’ nicht synonym mit ‘Resume’. Ein Resume ist ein amerikanisches Konzept, das sich normalerweise auf eine Seite beschränkt und die wichtigsten Punkte deines Lebenslaufs knapp und ohne viel Fließtext darstellt. Ein CV wird im Gegensatz dazu ausführlicher auf zwei bis drei Seiten gestaltet und entspricht mehr dem deutschen Lebenslauf.
  • Für europaweite Bewerbungen gibt es als Lebenslaufvorlage noch den Europass. Dieser ist aber sehr allgemein aufgebaut und empfiehlt sich eher, wenn man sich bei Europäischen Institutionen bewirbt oder explizit vom Arbeitgeber danach verlangt wird. Ansonsten wähl lieber ein anderes Format, das dich persönlich und individuell präsentiert und zu deiner Zielbranche passt! Falls du hierzu generell noch ein paar Anregungen gebrauchen kannst, klick dich gerne durch unseren CV-Guide und bringe deine Bewerbung auf Fordermann!

#2: Das Anschreiben

Neben dem Lebenslauf gilt es natürlich auch, das Anschreiben in die jeweilige Sprache zu übersetzen und dem lokalen Ton anzupassen. Zwar sind Motivationsschreiben im Ausland nicht ganz so häufig wie in Deutschland und werden oft durch ein kurzes, persönliches Statement auf dem Lebenslauf ersetzt, trotzdem kann es gut sein, dass ein Schreiben verlangt wird. In diesem Fall solltest du einige Sachen beachten.

  • Zum Beispiel solltest du dich bemühen dein Anschreiben fehlerfrei und grammatikalisch korrekt zu gestalten, selbst wenn du die Sprache noch nicht ganz fließend beherrschst - das zeigt Einsatzbereitschaft und einen hohen Qualitätsanspruch. Frage also am besten Muttersprachler, deine Texte Korrektur zu lesen. Du solltest außerdem wortwörtliche Übersetzungen vermeiden und nicht krampfhaft Satz pro Satz übersetzen. Dies führt fast immer zu holprigen Satzstellungen und Formulierungen. Schreib dir lieber auf, was du inhaltlich in jedem Absatz vermitteln willst und fang dann frisch und unvoreingenommen an zu schreiben. Zusätzlich hilft es ungemein Synonyme zu verwenden um dein Anschreiben sprachgewandt und interessant zu gestalten.
  • Darüber hinaus solltest du in deiner Bewerbung unbedingt hervorheben, wieso du als ausländischer Bewerber besonders gut für die jeweilige Stelle geeignet bist. Dies gilt vor allem für Auslandspraktika und Stellen, auf die sich sowohl lokale als auch internationale Kandidaten bewerben. Gibt es trotzdem einen Vorteil für dich als Deutsche/n? Hast du zum Beispiel eine Ausbildung genossen, die besonders gut ist in Deutschland? Kennst du dich an bestimmten Märkten aus oder wird die Firma von deinen multilingualen Sprachkenntnissen profitieren? Finde dies heraus, zeig es in deinem Anschreiben und mach dich attraktiv am internationalen Arbeitsmarkt!
  • Nutz dein Netzwerk und das Internet, um lokale Gepflogenheiten bei Bewerbungsschreiben zu recherchieren oder klick dich durch unsere englischen Cover-Letter-Guides für Großbritannien, die Niederlande, Skandinavien, Frankreich oder Belgien, die von Ortsansässigen recherchiert wurden und eine ganze Reihe an wertvollen Insider-Tipps bieten!
  • Darüber hinaus kann man immer ein bisschen neuen Input gebrauchen, was kreative und aussagekräftige Motivationsschreiben anbelangt. Texte eins zu eins übernehmen geht natürlich nicht, aber sich inspirieren lassen was die Struktur deines Schreibens oder eine kreative und wirkungsvolle Einleitung betrifft, ist absolut legitim und empfehlenswert!

#3: Sprachkenntnisse

Die eigenen Sprachkenntnisse werden häufig falsch (und meist als zu gut) eingeschätzt oder absichtlich als besser dargestellt um im Bewerbungsprozess bessere Chancen zu haben. Wenn du also auf der Suche nach einer Vollzeitstelle bist, lohnt es sich intensiv deine Kenntnisse zu verbessern. Für ein Praktikum ist es aber absolut legitim zu sagen, dass man dies auch dazu nutzen will seine Sprachkenntnisse zu verbessern. Wenn du dir trotzdem nicht sicher bist, ob dein Sprachlevel für ein Auslandspraktikum reicht, findest du hier mehr Informationen dazu.

#4: Ein persönliches Statement

Was langsam auch nach Deutschland rüberschwappt, ist in anderen Ländern schon lange Gang und Gäbe: Das persönliche Statement (auf Englisch ‘personal statement’ oder ‘career objective’ genannt). In diesem Statement kannst du dich kurz und knackig selber vermarkten und deine Stärken und Kompetenzen wortgewandt auf den Punkt bringen. Beachte, dass du trotzdem oft noch ein Anschreiben beifügst, hol also nicht zu weit aus und wiederhole dich vor allem nicht! Da wir in Deutschland solche Statements nicht unbedingt gewöhnt sind, forsche erst einmal ein bisschen um Anregungen und Tipps zur Erstellung von persönlichen Statements zu finden.

#5: Anlagen

Während viele deutsche Firmen nach wie vor ganze Anlagenkataloge verlangen, werden diese in vielen Ländern häufig ganz weggelassen. So werden meist nur die Kontaktdaten vorheriger Arbeitgeber und Professoren angegeben oder ein ‘References are available on request’ auf dem Lebenslauf vermerkt. Falls sich frühere Arbeitgeber nun jedoch sträuben, ihre Kontaktdaten herauszurücken um auf Englisch bzw. einer anderen Sprache kontaktiert zu werden, dann lass deine deutschen Dokumente zertifiziert übersetzen und schicke diese. Es gibt viele bezahlbare Online-Agenturen, die dies für dich übernehmen! Bedenke außerdem, dass sich Notensysteme nach wie vor von Land zu Land unterscheiden, also übersetze deine Zensuren in das jeweilige System - Personaler haben hierzu normalerweise keine Zeit!

Darüber hinaus wird auch das ‘Abitur’ den Wenigsten ein Begriff sein. Du kannst es auf deinem Lebenslauf wie folgt lösen: “2008 - Abitur in Hamburg (university qualifying degree)”, oder alternativ das Equivalent des jeweiligen Landes anführen, z.B. ‘equivalent to A-levels / Matura / Studentereksamen’.

#6: Dein Bewerbungsfoto

Trotz Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Deutschland ist es nach wie vor üblich ein Bewerbungsfoto beizufügen. In vielen anderen Ländern und insbesondere im angloamerikanischen Raum ist ein Foto auf der Bewerbung aber ausdrücklich unerwünscht - Bewerbungen mit Foto werden von vielen Firmen direkt abgelehnt. Informiere dich also vorab und spar dir eventuell den Gang zum Fotografen!